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Wednesday, April 8, 2026

Batam

Indonesia lies only a stone's throw away from Singapore, but the difference couldn't be any bigger. Batam Island is a free trade zone governed by greed, and serves as an international industrial area without any environmental laws, as a hazardous waste dump for Singapore, as a brothel in the midst of oh-so-chaste countries as well as a stopover place for most ferry connections in the vicinity. Beautiful is something else.

Indonesien liegt nur einen Katzensprung von Singapur entfernt, doch der Unterschied könnte kaum größer sein. Die Insel Batam ist eine Freihandelszone und dient als internationales Industriegebiet ohne jegliche Umweltauflagen, als Sondermülllager für Singapur, als Prostitutionsmekka inmitten ach-so-sittsamer Länder sowie als Zwischenstation für die meisten Fährverbindungen in der Umgebung. Schön ist etwas anderes.

Ostermontag, 6. April
Unsere ersten Eindrücke sind schwer in Worte zu fassen, und vor lauter Schauen komme ich auch nicht zum Fotografieren. Die Menschen sind neugierig und freundlich, und wir finden auf Anhieb einen Geldautomaten und gutes Essen. Doch momentan sind wir noch so überwältigt vom Straßenverkehr, dem Lärm und Gedränge, dass wir einfach nur heil bei unseren heutigen Gastgebern ankommen wollen.
Our first impressions are hard to put into words, and with all the looking I have to do, I don't get to take any pictures. The people are curious and friendly, and we find a bank machine and good food right away. But at the moment, we are still so overwhelmed by the traffic, noise and bustling around us that we just want to arrive at our hosts' place safe and sound.
Angeblich hat die Stadt Batam durchaus ihre Reize, doch wir fahren wahrscheinlich durchs falsche Eck. Einzig diese Moschee fällt uns zwischen den lieblosen und heruntergekommenen Betongebilden auf.
Allegedly, Batam City does have its charm but we seem to ride through the wrong side of town. Only this mosque catches our eyes in between all the ugly and derelict concrete structures.

Auf dem Weg zu Timo und Lea, einem deutschen Paar, das der Arbeitgeber im Januar nach Batam verpflanzt hat, lernen wir eine Steigerungsform des vietnamesischen Straßenverkehrs kennen: Ampeln werden leicht zeitversetzt beachtet, Spurwechsel zwischen all den Krafträdern sind unmöglich, zwischen Autos geht's mit etwa 200 Metern Vorlauf, rechts abbiegen im Berufsverkehr ohne Ampel über eine mehrspurige Ausfallstraße drüber ist lebensgefährlich. Lieber eine Ampel weiterfahren und umkehren!
On our way to Timo and Lea, a German couple who was sent to Batam in January by Timo's employer, we get to know the comparative form of Vietnamese traffic: Red and green lights are adhered to with a delay here, changing lanes between all the motorbikes is impossible, between cars we can do it with a 200-metre approach, turning right during rush hour without traffic lights across a multi-lane artery road is life threatening. Better to ride to the next set of lights and turn around!

Wir verbringen einen netten Abend zusammen und unterhalten uns über die nervenaufreibende Aktion, sein Hab und Gut mit einem Überseecontainer zu verschiffen. Timos und Leas Hausrat soll diese Woche geliefert werden - wir erinnern uns mit Grausen an den Winter 2014/15, als Daves Musikinstrumente wochenlang bei Minusgraden im Zoll festsaßen und hoffen, dass wir beim nächsten Umzug mehr Glück haben!
We spend a nice evening together, talking about the nerve wracking experience of shipping your chattels with an ocean container. Timo's and Lea's household effects are supposed to be delivered this week - we remember with horror the winter of 2014/15, when Dave's musical instruments were stuck in customs in sub-zero temperatures, and hope to be more lucky next time we move!

Gefahrene Strecke: 37,4 km per Fahrrad und 25 km per Fähre
Durchschnitt: 16,2 km/h
Nachtlager: bei Warmshowers-Gastgebern in Batam City


Dienstag, 7. April
Bei einem selbst gebackenen Osterzopf von Lea verratschen wir uns, während draußen ein heftiger Regenschauer vorüberzieht. Die Fahrt zur Autofähre ist kein Spaß, denn am Straßenrand haben sich riesige, schlammbraune Pfützen gebildet, die oft die halbe Fahrbahn bedecken. Wir haben also die Wahl zwischen 1. unsere frisch renovierten Räder gleich am ersten Tag zu schrotten oder 2. ständig mitten in den Verkehr zu fahren. Entsprechend oft werden wir angehupt, aber so richtig grantig wird niemand mit uns. Es klingt eher nach "Vorsicht! Ich bin hinter dir und schneller als du!"
Over a home-baked Easter braid from Lea, we get carried away chatting while a heavy rainstorm goes by outside. The ride to the RoRo-ferry is no fun at all because there are huge muddy puddles now at the side of the road, often reaching far into our lane. So we've got the choice between a) wrecking our freshly renovated bikes on day one or b) cutting into traffic over and over again. Consequently, we are honked at a lot, but nobody gets really angry at us. It mostly sounds like "Careful! I'm behind you and faster than you!"

Kurz vor Mittag erreichen wir den Hafen, noch über drei Stunden bis zur planmäßigen Abfahrt um 15 Uhr. Es gibt noch Fahrkarten, aber die können wir leider weder online buchen noch mit Karte bezahlen - und der Geldautomat vor Ort funktioniert nicht. Schei*e! Mehrere Leute versuchen uns zu helfen, aber letztendlich bleibt uns nix übrig, als sieben Kilometer retour zu fahren an eine Tankstelle und dort Geld abzuheben. Dann meldet sich der Unterzucker, und wir hängen noch eine ausgedehnte Brotzeitpause an einem Bäckerstand dran. Mittlerweile ist es schon nach 14 Uhr, die Fähre heute können wir eh vergessen. Aber mit Koffein im Tank fühlen wir uns imstande, zum Hafen zurückzukehren und wenigstens schon mal Tickets für die nächste Überfahrt zu kaufen, also übermorgen. Timo und Lea haben uns dankenswerterweise angeboten, nochmal zu übernachten, falls irgendwas mit der Fähre nicht hinhaut.
Shortly before noon, we arrive at the harbour, so we've got another three hours until the scheduled departure at 3pm. There are still tickets available, but we can neither book them online nor pay for them with card - and the on-site ATM doesn't work. Sh*t! Several people try to help us, but in the end, we have to ride back for seven kilometres to take out money at a petrol station. That's when hypoglycemia calls for action, and we add a generous lunch break at a bakery stand. Meanwhile, it's already after 2pm, so forget about the ferry today. But with our tanks full of caffeine now, we feel capable to go back to the harbour and at least buy tickets for the next passage in two days. Thankfully, Timo and Lea have offered us to stay in their house again in case something doesn't work out with the ferry.

Es ist Viertel nach drei, als wir wieder vorm Fahrkartenhäuschen stehen. Pro forma frage ich den Kontrolleur von vorher nur: "Jetzt sind wir wahrscheinlich zu spät, oder?" - da kommt Leben in den Typen! Ohne ein weiteres Wort nimmt er mir die Reisepässe aus der Hand und tippt hektisch auf Computer und Handy ein. Dann joggt er auf einmal die Zufahrt zu den Schiffen runter, läuft wieder hoch und telefoniert nochmal. Irgendwann sagt er: "500 000". Ich überreiche ihm das Geld, und er schickt uns mit einem Gepäckträger mit, der uns auf seinem Moped vorausdüst, runter zur Fähre. Dort scheucht uns ein uniformierter, trillerpfeifender Sicherheitsmensch Richtung Laderampe. Ich rufe ihm nur schnell zu: "Kuala Tungkal?", also unser Reiseziel, was er zu unserer Erleichterung bejaht, denn das wurde beim Ticketkauf mit keiner Silbe mehr erwähnt.
When we stand in front of the ticket kiosk again, it's quarter past three. I only ask the inspector from before pro forma: "We're probably too late now, eh?" - and suddenly, the guy wakes up! Without speaking another word, he takes the passports out of my hand and types franticly into both his computer and phone. Then he jogs down the access lane to the ships, runs back uphill again and phones somebody. At some point, he just says: "500 000". I hand him the cash, and he sends us down to the ferry with a porter who zooms ahead of us with his moped. There, a uniformed, whistle blowing security person shoos us towards the loading ramp. I only shout to him quickly: "Kuala Tungkal?", our destination, which he affirms to our great relief - because that hasn't been mentioned anymore when we purchased the tickets.
Wir bekommen den letzten überdachten "Parkplatz" zugewiesen, und noch bevor wir unsere Räder ordentlich abgestellt haben, schließt sich hinter uns die Laderampe. Krass. So verdattert sind wir selten.
We are allocated the last roofed "parking spot", and even before we manage to place our bicycles properly, the loading ramp closes behind us. Crazy. It is very rare that we are that befuddled.
Wie befohlen, lehnen wir unsere Fahrräder an den LKW neben uns, und der Parkeinweiser bindet sie jeweils mit Bastelbast daran fest. Gute Fahrt, ihr Lieben, bis morgen!
As told, we lean our bikes against the lorry next to us, and the parking supervisor ties them to it with a bast string each. Have a safe ride, our dears, see you tomorrow!
Blick zurück nach Batam vom Oberdeck.
Looking back to Batam from the upper deck.
Gute 17 000 Inseln liegen nun noch zwischen uns und Australien!
Only a bit more than 17 000 islands left between us and Australia!


Auf diesen beiden Sitzen verbringen wir den Großteil der kommenden 17 Stunden. Immerhin, denn viele Passagiere hocken oder liegen einfach aufm Boden. Was wir von hier aus alles mitkriegen, ist kaum in Worte zu fassen. Positiv: es ist bewölkt, aber trocken, und das Meer ist glatt wie ein See. Außerdem sind alle unsere Mitreisenden total freundlich zu uns, obwohl sie annehmen, dass wir die Abfahrt verzögert haben. Als einzige Touristen an Bord stehen wir unter Dauerbeobachtung, anscheinend ist es für viele Menschen hierzulande eine absolute Sensation zu sehen, wie Nichtasiaten gehen, sitzen, trinken oder atmen. Fast jeder, der an uns vorbeigeht, grüßt uns neugierig, fragt nach unserer Herkunft oder wohin wir reisen. Neu für uns sind die vielen Selfie-Anfragen aus dem Nichts. Also wirklich nur: "Hallo. Kann ich ein Foto mit dir/ euch machen? Klick. Danke."
We spend the majority of the following 17 hours on these two seats. At least some comfort, whereas many passengers just sit or lie on the floor. It is hard to put into words what we get to witness from our position. Positive: it is cloudy but dry, and the ocean is smooth like a lake. Besides, all our fellow travellers are really friendly to us although they must assume that we have delayed the departure. Since we are the only tourists on board, we are under constant surveillance. For many people round here, it seems to be an absolute sensation to watch non-Asians walk, sit, drink or breathe. Almost everybody greats us curiously, asks about our origin or where we are going when they pass by. What's new for us are the many requests for selfies out of nowhere. Meaning really only: "Hello. Can I take a picture with you? Click. Thank you."
Vorbereitung auf den Sonnenuntergang: Eine Durchsage scheucht alle Bodensitzer auf, damit die Putzbrigade einmal durchkehren und wischen kann. Dann wird mittels Kompass ermittelt, in welche Richtung die Gebetsteppiche ausgerollt werden müssen, ...
Getting prepared for sunset: An announcement rouses all the floor sitters, so that the cleaning brigade can sweep and mop through the crowd. Then the correct direction for the prayer rugs is determined with a compass app, ...
... der Ansager im blauen T-Shirt gibt die Kommandos. Leider sitzen wir im Blickfeld, deshalb müssen wir auch aufstehen und irgendwo am Rand stehen.
... the anchorman in the blue T-shirt gives the commands. Unfortunately, we sit in the field of vision, so we have to get up and stand somewhere on the side.
Dafür sieht man von hier aus den wunderbaren Abendhimmel am schönsten, während hinter uns mit der größten Selbstverständlichkeit gebetet wird.
But from here, we have the best view of this beautiful afterglow while behind us, people pray like a duck takes to water.
Später steht unser Boot für anderthalb Stunden still, weil es einen Verletzten gibt, der vom Notarzt abgeholt wird. Danach geht es sternenklar weiter.
Later, the boat stands still for an hour and a half because there is somebody injured who has to be picked up by the emergency doctor. Afterwards, we continue under a starry sky.

Gefahrene Strecke: 34,2 km
Nachtlager: auf der Fähre von Batam nach Sumatra


Mittwoch, 8. April
Kurz nach Mitternacht: Alles schläft, ...
Shortly after midnight: Everybody sleeps in heavenly peace, ...
... einsam wacht... (Wobei "hold" hier eher nicht die Umschreibung der Wahl ist, weder für den Knaben im lockigen Haar noch für sonst irgendwen.)
... except for us.
Der Grund: Wenn wir den Äquator schon nicht aufm Landweg überqueren, dann will ich es zumindest auf der digitalen Karte mitkriegen. Um Punkt ein Uhr ist es so weit, das ist natürlich purer Zufall.
The reason: Since we aren't crossing the equator by land, we at least want to witness it on the digital map. At one o'clock sharp, the time has come, which is a complete fluke of course.
Danach fallen sogar meiner Eule die Augen zu, ...
After that, even my owl cannot keep his eyes open anymore, ...
... kurz bevor wir von der nächsten Lautsprecherdurchsage unsanft ausm Schlaf gerissen werden: Zeit fürs Morgengebet.
... at least until the next loud speaker announcement tears us out of sleep rudely: Time for the morning prayer.
Langsam, sehr langsam nähern wir uns der Küstenlinie der Insel Sumatra. Laut Radltacho mit 17 km/h. Als uns die Sonne aufm obersten Deck zu heiß und die Musik aus den Lautsprechern zu dröhnend wird, gehen wir endlich einmal durchs Schiff - und entdecken ganz zum Schluss ein ruhiges und sogar einigermaßen sauberes Fleckchen unter einer Treppe. Hier hätten wir mit unseren Matten perfekt schlafen können, aber jetzt ist es auch schon egal.
Slowly, very slowly, we approach the coast of Sumatra island. According to my bike computer with 17 kph. When the sun gets too hot for us on the upper deck and the music blasting out of the loudspeakers too loud, we finally walk through the ship - and discover a calm and even somewhat clean spot underneath a staircase. We could have slept here perfectly with our camping mats, but now it's too late already.
Während wir darauf warten, von Bord rollen zu können, nutzen nochmal etliche Leute die Gelegenheit, Fotos mit uns und den Rädern zu schießen.
While we wait to disembark, some more people use the opportunity to take pictures with us and the bikes.
Nach der Ankunft müssen alle durch die Gepäckkontrolle. Also im dichten Gedränge Taschen von den Rädern abmontieren, durch die Röhre schieben und hinten wieder rechtzeitig auffangen. Das ist schon im ausgeschlafenen Zustand immer nervig, aber heute kostet es uns wirklich den letzten Funken Geduld. Gut, dass es danach nicht mehr weit bis zum Hotel ist!
After our arrival, everybody has to go through the luggage control. Which means for us: Taking the panniers off the bikes in the tight crowd, pushing them through the tube and catching them in good time on the other side. That procedure is already annoying enough when we are well-rested, but today it costs us the very last spark of patience. Thank god it's not far to the hotel after this!

Gefahrene Strecke: 4 km per Fahrrad, und etwa 300 km per Fähre
Nachtlager: Hotel in Kuala Tungkal

Neueste Erkenntnisse: Sind wir hier richtig? Das ging ein bisschen arg schnell, dass wir von fröhlich-neugierig-beeindruckt auf schockiert-zynisch-ablehnend gesackt sind! Fähre ist nicht gleich Fähre - man unterscheidet zwischen Fußgänger-, RoRo- und LoLo-Fähren, und nicht überall wird alles angeboten. Bei der Hotelbuchung sollten wir ab sofort die Nähe zu Moscheen berücksichtigen.
Newest insights: Is this where we want to be? We sank from cheerful-curious-impressed to shocked-cynical-dismissive a bit too quickly for our own taste! Ferry does not equal ferry - there's a difference between passenger-, RoRo- and LoLo-ferries, and not every harbour offers every type. From now on, we better take into account the distance from mosques when booking a hotel.

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