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Thursday, January 22, 2026

Mukdahan bis Bangkok

Back in Thailand finally, what a relief! We embrace lots of familiar things as we ride through the thinly populated, rural east of the country, back towards Bangkok.

Endlich zurück in Thailand, was für eine Erleichterung! Vieles kommt uns vertraut vor, als wir durch den dünn besiedelten, landwirtschaftlich geprägten Osten des Landes wieder Richtung Bangkok radeln.

Montag, 5. Januar
Auf der Ladefläche eines privaten Pick-ups, den die laotischen Grenzbeamten nach zwei Stunden Warterei für uns "organisiert" haben, überqueren wir den Mekong. Fahrräder sind auf der Freundschaftsbrücke "aus Sicherheitsgründen" nicht erlaubt, aber in den Bus passen sie nicht rein... oh Mann!

Der eigentliche Einreiseprozess auf thailändischer Seite dauert unter zehn Minuten, und schlagartig entspannen sich alle unsere inneren Organe. An den Linksverkehr gewöhnen wir uns schnell wieder, und auch das "Phantomhupen", das sich unsere Gehörgänge bei den ersten paar Begegnungen mit Kraftfahrern noch einbilden, legt sich bald. Es ist so ruhig, keiner nimmt uns die Vorfahrt, und sogar zwei Rettungswagen fahren ohne Sirene durch.
Mukdahan ist nichts Besonderes unter den thailändischen Städten, eher etwas chaotisch, aber entspannt. Leider ist das Flussufer verstellt und zugebaut, und wir finden keinen Nachtmarkt, dafür aber eine Wäscherei. Während des Waschvorgangs suchen wir uns ein Lokal und geben die Bestellung auf, dann zurück um die Wäsche in den Trockner zu verfrachten, und wieder ins Lokal zum Essen. Alles nur eine Frage der Zeitplanung!

Gefahrene Strecke: 20,8 km
Durchschnitt: 15,7 km/h
niedrigste Stelle am Mekong: 150 m ü. NN.
Nachtlager: Hotel in Mukdahan


Dienstag, 6. Januar
Der Ostwind hält uns weiterhin die Treue, so dass wir wieder gut vorankommen. Landschaftlich ist der dicke Teil Thailands eher fad, aber wir genießen die Fahrt trotzdem. Nach über 80 Kilometern machen wir Mittagspause, und die Standlverkäuferin schenkt uns das Essen. Einfach so. Wir können uns nur in Zeichensprache unterhalten, aber das taugt ihr so sehr, dass sie noch ein Foto mit uns machen will und mich zum Abschied umarmt.
Alte Bekannte: Die hochdekorierten thailändischen Lastwagen mit ihren vielen Scheinwerfern...
... und unzähligen Rückspiegeln machen einfach was her, oder?

Ist der nicht schön?
Mit passendem Anhänger.
Und noch ein fröhliches Wiedersehen feiern wir, nämlich mit den hervorragend ausgestatteten Raststätten. 

Gefahrene Strecke: 109 km
Anstieg: 404 m
Höchstgeschwindigkeit: 52,58 km/h
Durchschnitt: 21,83 km/h
Nachtlager: Hotel in Phon Thong


Mittwoch, 7. Januar
Schon kurz nach Mittag erreichen wir Roi Et, die erste Stadt seit langem, die sich sichtlich um ein ästhetisches Gesamtkonzept bemüht und Plätze anlegt, an denen man einfach mal gemütlich hocken und rumschauen kann.
Eine weitere große Ausnahme ist dieser Aussichtsturm im Zentrum: Kein alter Tempelturm, sondern hochmodern mit Aufzug, Glasbodenplattform und seit neuestem sogar einer Seilrutsche hinunter in den benachbarten Park. Die Form symbolisiert eine traditionelle Bambusflöte, Wot genannt, mit der die hiesigen Bauern früher beim Gott Phi Fa den Regen abbestellt haben, wenn es Zeit für die Ernte wurde.
Auf der Suche nach einem Baumarkt fahren wir mit den leeren Rädern durch die Stadt. Es dauert ganz schön lang, bis wir Reinigungsbenzin auftreiben, Bremsklötze finden wir wieder keine. Dafür einen riesigen Supermarkt mit vielen westlichen Produkten. Beim Blick auf die Preisschilder erscheint uns so ein richtiges Frühstück mit Vollkornbrot, Erdnussbutter und Marmelade dann aber doch nicht sooo wichtig...
... vor allem wenn wir uns auf dem Nachtmarkt mit lauter erschwinglichen Köstlichkeiten eindecken können. Die gefüllten Minipfannkuchen gibt's morgen früh:

Bevor wir endlich selber dran sind, verpasst Dave den Rädern ein ausführliches Schaumbad mit Spüli und Schwamm in der Dusche.

Gefahrene Strecke: 48,24 km
Durchschnitt: 23,11 km/h
Nachtlager: Motel-Hütte in Roi Et


Donnerstag, 8. Januar
Heute legen wir endlich einen Erholungstag ein. Also eine Rundum-Erholungskur für die Fahrräder:
Dave baut das komplette Antriebssystem auseinander, ...
... um wirklich jedes einzelne Teil zu säubern. Meine zwei unersetzlichen Beiträge dabei beschränken sich auf die Bereitstellung meiner alten Zahnbürste und das regelmäßige Beträufeln derselben mit Reinigungsbenzin. Den Eimer haben wir vom Motelbesitzer ausgeliehen.


Lederwachsmassage für die Sättel.
Zum Schluss noch neues Lenkerband für mein Radl, fertig.


Freitag, 9. Januar
Es müssen bald irgendwelche Wahlen stattfinden, denn überall am Straßenrand schauen uns solche Gruselplakate entgegen. Oder macht hier ein Freizeitpark Werbung für seine Geisterbahn?
Noch besser gefallen uns diese Autos, die die Plakate auch noch durchs hinterste Wohngebiet schleifen und dabei ungeheuer nützliche Informationen über den jeweiligen Kandidaten aus den Lautsprechern brüllen. Die Slogans können wir bald mitsprechen!
Unsere erste Mahlzeit in einem geschlossenen Raum seit... boa, keine Ahnung... Vientiane? Was für ein Genuss, wenn Straßenlärm und Staub einfach mal da bleiben, wo sie hingehören!
Die Landschaft ist richtig schön, aber ob wir zwischen all diesen Schwemmfeldern einen Zeltplatz finden?

Aus einer Laune heraus schnüffelt Dave hinter der Tankstelle rum, während ich unsere Wasservorräte nochmal auffülle...
... Bingo!

Gefahrene Strecke: 108 km
Durchschnitt: 22,92 km/h
Nachtlager: an einem Feldweg hinter der Tankstelle bei Satuek


Samstag, 10. Januar
Seit Tagen radeln wir durch dieses riesige Zuckerrohrgebiet, in dem die Ernte auf Hochtouren läuft. Auch an einer Zuckerfabrik sind wir neulich vorbeigefahren. Endlich sehen wir den Mähdrescher (heißt der so?) einmal aus der Nähe bei der Arbeit.
Dieser moderne Vollernter mäht die gesamte Pflanze ab, häckselt die Blätter auf den Boden und spuckt die Stangen auf den LKW. Leider ist dieses Verfahren vielen Betrieben zu zeitaufwändig und teuer, so dass man die Zeit von Januar bis April hier als "Brennsaison" bezeichnet: Felder werden großflächig abgebrannt, so dass nur noch die safthaltigen Stangen stehenbleiben, die dann leichter zu ernten sind.


Der Mann hier hat die ganze Zeit neben mir gewartet. Als die Erntemaschinen den Rückzug antreten, holt er sich mit seiner Machete ein paar Armvoll Zuckerrohrblätter, vielleicht für seine Wasserbüffel daheim oder um Sirup herzustellen.

Buri Ram ist eine weitere Kleinstadt, die in der Geschichte Südostasiens immer wieder eine größere Rolle gespielt hat. Dementsprechend gäbe es auch hier unzählige antike Stätten zu besichtigen. Wir beschränken uns auf die Stadtmitte, wo in zwei Schreinen (Khmer-Baustil oben, chinesischer Baustil unten) heilige Säulen bzw. chinesische Gottheiten verehrt werden.

Opferaltar.
An einem Stand werden solche Opfersets verkauft, die dann laut Information auf einem Plakat in einer bestimmten Reihenfolge zu bestimmten Altären gebracht werden.


Die roten Lampions werfen ein schönes Schattenbild auf den Boden. Der kleine Mann in der Bildmitte ist fasziniert!
Restaurants verstecken sich erfolgreich vor uns, aber in diesem chaotischen Verhau haben wir Glück. Es schmeckt sensationell gut!
Wenn Komoot eine Abkürzung durchs Hinterland vorschlägt, sind wir immer sehr skeptisch. Die heutige ist aber richtig angenehm zu fahren und sogar wirklich kürzer.

Unterwegs schenkt uns jemand eine Tüte voll Mandarinen. Danke für die Erfrischung in dieser Hitze!
Solche schnurgeraden Highways sind unser Alltag in Thailand. Nicht überaus inspirierend, aber sehr praktisch, wenn man Strecke machen will.
Wenn's läuft, dann läuft's. Auch bei der Zeltplatzsuche haben wir heute Glück, und sogar noch Zeit um den Sonnenuntergang zu beobachten.

Gefahrene Strecke: 110,5 km
Durchschnitt: 21,84 km/h
Nachtlager: an einem Feldweg neben dem Bahngleis bei Ban Bu Ta Pao


Sonntag, 11. Januar
Sonnenaufgang hinterm Zelt. 
Auf einmal habe ich das Gefühl, mein Hinterreifen hüpft: Platten. Wir schieben etwa einen halben Kilometer bis zum nächsten schattigen Plätzchen...
... in dieser Holzhäckslerei, wo wir erst einmal sechs ungemütliche Hunde davon überzeugen müssen, dass wir ihnen nichts wollen, bevor ich mein Rad abladen kann. Drei Drahtstücke stecken in meinem Profil. Wo ich die wieder aufgeklaubt habe?

Schon wieder eine antike Stadt: Phimai wurde im 11. Jahrhundert von den Khmer befestigt und bildete das andere Ende einer 225 Kilometer langen Straße von der Hauptstadt Angkor (heutiges Kambodscha). Wenn wir es auf dieser Reise schon nicht nach Angkor Wat schaffen, dann schauen wir uns heute wenigstens die Zweigstelle davon an.
Allerdings nur von außen, denn 400 Baht Eintritt pro Person (Ausländerpreis) ohne englischsprachige Führung oder Erklärung ist uns zu unverschämt.

Eine Galerie mit Fenstern umgibt das Heiligtum in der Mitte.
Über solche Säulengänge gelangte man ins Innere der Tempelanlage.
Blick auf den Hauptturm im Zentrum der Anlage durch einen Säulengang.



Äußere Ringmauer.






Am Abend werden die Ruinen wunderschön beleuchtet, und es laufen immer noch Besucher dazwischen rum.

Uns zieht es eher zum Nachtmarkt, auf einen frischen Smoothie und ein paar Leckereien vom Grill. Als besonderes Schmankerl liegen auch gehäutete R*tzen aus. Unter Aufbietung meiner gesamten Selbstbeherrschung zwinge ich meinen Mageninhalt, bei mir zu bleiben. Aufm Rückweg warnt mich Dave rechtzeitig, auf die andere Seite zu schauen.

Gefahrene Strecke: 32,31 km
Durchschnitt: 18,31 km/h
Nachtlager: Hotel in Phimai


Montag, 12. Januar
Es wird wieder heißer: Erstmals seit langem liegt die heutige Durchschnittstemperatur während der Fahrt bei 30 Grad. Wir brauchen aber nicht sehr weit zu fahren, denn wir sind bei einem Warmshowers-Gastgeber in Nakhon Ratchasima angemeldet.
Sobald wir Jays Haus betreten, ist Dave in seinem Element. Der Engländer sammelt ebenfalls besondere Gitarren und bewahrt zusätzlich noch die seiner Freunde bei sich auf. Und zum Abendessen gibt es Spaghetti Bolognese, der Wahnsinn!
Jay zeigt uns seinen Rauch- und Feinstaubmesser, mit dem er während der "Brennsaison" ständig die Luftqualität in seinem Haus überwacht. Gesundheitsunbedenklich ist ein Wert unter 25 ppm. Drum bittet er uns, ab Sonnenuntergang alle Türen und Fenster geschlossen zu halten, denn dann beginnen die Bauern mit der Zündlerei. Am Morgen halte ich das Teil mal kurz vor die Haustür - krass!

Gefahrene Strecke: 61,55 km
Durchschnitt: 19,75 km/h
Nachtlager: Warmshowers-Gastgeber in Nakhon Ratchasima


Dienstag, 13. Januar
Wir vertrödeln den Tag in der Stadt, weil wir für heute Abend gleich noch eine Zusage von einem anderen Warmshowers-Gastgeber hier haben.
Dave pfeift mich während unserer Stadtrundfahrt zurück. Hä? Seit wann interessiert der sich so sehr für Tempelanlagen, dass er extra stehenbleiben will?
Ach so, ein Wasserwaran. Hättet ihr ihn auf dem oberen Foto gesehen?
Man merkt die Bemühungen um einen schön gestalteten Ortskern, doch es herrscht trotzdem irgendwie eine seltsame Stimmung in dieser Stadt. Es ist sauheiß und still, aber sehr wuselig, kaum ein Mensch grüßt, es gibt keine vernünftigen Restaurants oder zumindest finden wir sie nicht.
Die Schmetterlingsausstellung im Park ist mal was Anderes, und im Schatten lässt es sich schön sitzen. Viele Leute scheinen allerdings dauerhaft in diesem Park zu wohnen und nehmen uns entsprechend als Eindringlinge wahr. So kommt es uns jedenfalls vor.


Neuer Rekord: Wir beobachten einen Motorroller mit sechs (!) Personen drauf. Eine davon ist noch im Säuglingsalter, aber das entschärft die Situation auch nicht unbedingt, oder?
Stig aus Norwegen hat sich vollkommen der thailändischen Lebensart verschrieben. Daher lerne ich heute diese Waschmaschine mit separater Schleuderkammer (rechts) kennen. Selbstverständlich draußen, nicht im Haus. Außerdem führt er uns in sein Lieblingsrestaurant aus, bringt uns ein paar Brocken Thai bei und klärt uns über den Buddhismus sowie die Vorzüge regelmäßiger Fastendiäten auf. Schon sehr interessant, zwei so unterschiedliche Auswanderer aus Europa so kurz aufeinander kennen zu lernen!

Gefahrene Strecke: 28,5 km
Durchschnitt: 15,35 km/h
Nachtlager: Warmshowers-Gastgeber in Nakhon Ratchasima


Mittwoch, 14. Januar
Zwei Tage hintereinander Müsli mit frischem Obst zum Frühstück. Hurra!
Beide Warmshowers-Gastgeber wohnen in jeweils so einer geschlossenen Wohnsiedlung mit ein paarhundert Haushalten, die von einer mannshohen Mauer umgeben, von einem Pförtner bewacht und einem Sicherheitsdienst in der Nacht patroulliert werden. In einem Land, wo wir unsere Räder meistens einfach so irgendwo abstellen, ohne uns groß Gedanken drum zu machen, vermuten wir dahinter eher eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme als eine Notwendigkeit.
Ja, was ist denn das? Ein Radlweg. Gut, außer uns nutzen den nur Mopedfahrer, aber immerhin!
Zurück auf der Nationalstraße überholt uns ein Mann auf seinem Moped. Kurz darauf kehrt er zurück und schenkt uns ein Eis, eine Portion Pad Thai und 18 Bananen.
Was für ein Herzerl, der Arree! (Er spricht es "Ali" aus, aber um sicherzustellen, dass wir ihn nicht mit Muhammad Ali verwechseln, zeigt er uns seinen Ausweis.) Wir haben gerade vorher erst Mittag gegessen, und er hat die Lebensmittel bestimmt nicht zum Spaß gekauft, aber er nimmt sie nicht zurück.
Na gut, dann schleppen wir halt ein paar Kilo mehr rum.

Auf einmal sehen wir links und rechts nur noch Erdbeerplantagen, jeweils mit Verkaufshütte und einem gewollt künstlichen Blumenarrangement als Fotohintergrund.
Uns interessieren nur die eisgekühlten Getränke, denn gleich geht's stramm bergauf...
... zum Zeltplatz. Wir werden von einem Hund begrüßt, den wir logischerweise "Erdbär" taufen. Ansonsten ist kein Mensch da. Hauptsache, Klo und Dusche sind offen und die Aussicht belohnt uns für den anstrengenden Herweg.

Gefahrene Strecke: 79 km
Anstieg: 512 m
Durchschnitt: 17,52 km/h
Nachtlager: verlassener Campingplatz kurz vor San Chao Pho


Donnerstag, 15. Januar
Erdbär hat die ganze Nacht auf uns aufgepasst und freut sich in der Früh über Gesellschaft.
Aussicht Richtung Norden: Wat Saeng Tham Khao Khiao leuchtet mit seinem beeindruckenden Gebetsturm aus der Landschaft heraus.
In Wang Mi gibt es einen kostenlosen Campingplatz am Stausee. Schade, dass wir es gestern nicht mehr so weit geschafft haben!
Ups! Äh... vielleicht ist es doch nicht so schlecht, dass wir oben aufm Berg gezeltet haben!
Wobei, wir sehen keine Krokodile - nur Büffel...
... und Elefanten.
Ein paar Kilometer weiter steht der thailändische schiefe Turm von Pisa...
... inmitten eines Touristennestes, das gerne die Toskana wäre. Irgendein ruchloser Investor hat diese Traumgegend entdeckt und schlachtet sie jetzt für zahlungskräftige Urlauber aus. Aber wie! Übernachtungen kosten ab 10-mal so viel wie wir üblicherweise bezahlen bis unendlich. Was davon wohl bei den Einheimischen übrig bleibt, außer gestiegene Lebenskosten?
Zwischen zwei Brettern eines Zaunes hat es sich diese Schlange gemütlich gemacht.

Wir fahren bis kurz vorm Eingang zum Nationalpark, wo wir einen sehr ruhigen Campingplatz am See beziehen. Danach besorgen wir auf dem Nachtmarkt ein Abendessen und Proviant für morgen.

Gefahrene Strecke: 85,36 km
Anstieg: 701 m
Höchstgeschwindigkeit: 56,7 km/h
Durchschnitt: 15,94 km/h
Höchsttemperatur: 39°C
Nachtlager: Campingplatz in Khao Yai (Ort)


Freitag, 16. Januar
Oi, das geht ja gut los! Daves Hinterrad wackelt, das Gewinde an der Achse ist kaputt. Die nächste Stunde ist er also gut beschäftigt. 
Am Eingang zum Nationalpark Khao Yai ist Diskriminierung eine Selbstverständlichkeit: Ausländer zahlen den zehnfachen Eintrittspreis, basta.
Dafür haben wir mit den Fahrrädern den großen Vorteil, dass wir alle Geräusche im Gebüsch und auf den Bäumen hören. So kriegen wir mit, als zwei Affen direkt vor uns auf die Leitplanke springen, dort ein bisschen rumsitzen und dann wieder abhauen, als ich den Fotoapparat raushole.
Etwa 300 wilde Elefanten leben in diesem Schutzgebiet. Natürlich würden wir sie zu gern sehen, aber lieber aus einer sicheren Distanz.
Es geht steil bergauf...
... und die Aussicht wird hinter jeder Kurve noch schöner.

Nach knappen 7 Kilometern brauchen wir eine Pause!


Am Aussichtspunkt ist für beste Unterhaltung gesorgt, denn nicht jeder Besucher kapiert auf Anhieb, dass die nach oben offene Ladefläche eines Pick-ups für einen durchschnittlich begabten Affen einen gewissen Aufforderungscharakter besitzt.
Vor allem, wenn darin ein Eimer mit Obst steht.
Nein, dass das Auto jetzt losfährt, stört das Tier nicht, ...
... im Gegenteil: Da kommt noch einer dazu!
Gegessen wird mit Händen UND Füßen, wie mir beim Bearbeiten des Fotos erst auffällt.
Als der Wagen schon fast auf der Straße ist, sprintet der Chefaffe quer über den Parkplatz und springt mit einem geübten Satz auf die Pritsche. Wir würden zu gern wissen, ob die Viecher hier öfter mal eine Mitfahrgelegenheit nutzen oder ob Fahrzeuge für sie nur Nahrungsquellen sind.
Auf der Weiterfahrt sehen wir noch ein paar Affen auf der Straße sitzen. Vor Autos haben sie null Angst, sie rühren sich keinen Millimeter.

Irgendwann steht der Urwald nicht mehr so dicht. Diese braunen Wiesen sind die Salzleckstellen der Elefanten, die sie regelmäßig aufsuchen, wenn sie Mineraliennachschub brauchen.


Bindenwaran an einer Nebenstraße, etwa 120 Zentimeter lang.

Soweit wir wissen, sind Bindenwarane gute Baumkletterer, aber der hier liegt einfach faul in der Sonne.
Im Campingplatz des Nationalparks wandern mehrere Sambarhirsche rum, das größte asiatische Wild mit einer Schulterhöhe von 160 Zentimetern. Da gehst du gern ausm Weg! Diese drei hier bewegen sich aber kaum.
Die knapp tischhohen Schweinsaffen sind die heimlichen Herrscher des Campingplatzes. Sie schlafen zwar in den Bäumen, halten sich aber sonst lieber auf dem Boden auf und bewegen sich geräuschlos von Futterstelle zu Futterstelle. Also von Kühlbox zu Zelt zu Auto. Wo immer jemand sein Essen offen rumliegen lässt, schnappen sie zu. Ein Reißverschluss ist dabei kein Hindernis, ebensowenig ein zaghafter Mensch, der treu seinem buddhistischen Glauben garantiert nicht zuhauen würde.
Viele Besucher halten diese Warnschilder im Park zunächst für lustige Übertreibungen, ...
... bis sie sich wundern, wo ihre Chips plötzlich hingekommen sind.
Man darf sein Zelt aufstellen, wo man mag. Wir finden ein schattiges Plätzchen und genießen es, nach dem Aufbau weitere Neuankömmlinge zu beobachten, die im Leben noch keine Zeltstange in der Hand hatten.
Im Restaurant sprechen uns drei Neuseeländer an, die für heute Abend eine Safari gebucht haben und ihren Jeep gern mit uns teilen wollen. Aber gern doch!
Die Safari entpuppt sich als einstündiger Autokorso durch den nächtlichen Dschungel. Jeweils ein Einheimischer steht mit einer starken Taschenlampe bei uns Teilnehmern auf der Pritsche und leuchtet in Gestrüpp und Baumkronen. Sobald sich ein Stau bildet, weiß man, dass es dort vorne irgendein Tier zu beobachten gibt. Nur: Welches erfahrene Nationalparktier ist schon so blöd und stellt sich zum Abendessen direkt an die Straße, wenn es über 2100 Quadratkilometer Fläche zur Auswahl hat?
Nun ja, Elefanten erspähen wir keine, aber mehrere Hirsche, Stachelschweine, einen Dhole (größerer Fuchs) und einen dicken Frosch. Der Ausflug ist trotzdem ganz cool, weil wir uns mit Jamie, Anna und Ethan gut unterhalten und der Sternenhimmel hier in Äquatornähe so anders ist als daheim - und zwar sowohl für Dave und mich als auch für die drei Neuseeländer.
Zurück am Zeltplatz wartet eine besondere Überraschung auf uns: Neben dem Nachbarzelt steht ein ungewöhnliches Musikinstrument auf einem Gitarrenständer. Dave muss einfach nachfragen! Der Besitzer ist ein Profimusiker, der weltweit Konzerte auf seiner Krachappi gibt, und sich unbändig über unser Interesse freut. Natürlich gibt er uns eine Kostprobe und lässt danach auch Dave spielen. Absolutes Highlight des Tages!

Gefahrene Strecke: 23,54 km
Anstieg: 520 m
Höchstgeschwindigkeit: 56,21 km/h
Durchschnitt: 10,33 km/h
Nachtlager: Campingplatz im Khao Yai Nationalpark


Samstag, 17. Januar
Wir lassen das Zelt stehen und machen mit den leeren Rädern eine Erkundungstour tiefer in den Park hinein.
Das nenne ich mal einen Wildwechsel! Elefantenein- und Ausgänge zur Straße hin gibt es hier alle paar Meter, wenn man drauf achtet. Von der Größe her könnte man die durchaus mit einem Geländewagen nutzen, aber empfehlenswert ist es wahrscheinlich nicht.
Hoch über unseren Köpfen turnt eine fünfköpfige Gibbonfamilie herum. Im Auto bekommst du davon überhaupt nichts mit, aber wir erkennen jetzt ihren Ruf und hören ab sofort genau, wo es sich lohnt stehen zu bleiben.


Unser erstes Ziel ist der Haew Suwat Wasserfall.

Elefantenäpfel, etwas größer als Kokosnüsse, liegen überall im Park rum.
Wir wandern an einem Fluss entlang.
Wie lang dieser Baum wohl schon so waagerecht über dem Wasser hängt?
Den versprochenen zweiten Wasserfall finden wir nicht. Aber diese Furt erweist sich als unterhaltsames Alternativprogramm, wenn man nur lang genug Trinkpause macht. Eine sportliche Familie aus Washington setzt problemlos über und sucht den Wasserfall zuerst in die eine, dann in die andere Richtung, bevor sie auf dem Baumstamm zurückbalanciert. Ha, so sparen wir uns den Weg! Es folgen zwei Frauen aus Singapur, die einer App folgen, aber auch nicht fündig werden. Wir wollen schon den Rückmarsch antreten, als eine größere Reisegruppe aus China am gegenüber liegenden Ufer auftaucht (die Singapurerinnen verstehen ihre Sprache). Schon der Abhang zum Wasser verursacht Kopfzerbrechen und derbe Schmutzflecken, und die unterschiedlichen Herangehensweisen beim eigentlichen Überqueren des seichten Rinnsals sind einfach nur filmreif: Waten, Balancieren, Hangeln, Dreibeinlauf, mit und ohne "helfende" Hand eines Gefährten. Drei Paar Schuhe sind im Anschluss nass, und die lustigen Verrenkungen und ungeschickten Manöver entlocken sogar den Hauptakteuren das ein oder andere Lächeln, als wir uns für die Showeinlage bedanken.
Auf der "Heimfahrt" hören wir wieder einen Gibbon über uns rufen.
Diese Eule hätten wir niemals entdeckt, wenn nicht am Straßenrand ein paar Touristen gestanden wären, mit ihren Kameras alle in dieselbe Richtung. Danke für den Hinweis!

Bei den Hirschen tun wir uns leichter, aber die sind halt irgendwie allgegenwärtig.

Als wir zum Campingplatz zurückkommen, ist die Restaurantterrasse vollbesetzt mit riesigen Objektiven. Was die wohl sehen?
Einen Furchenhornvogel mit seinem 20 Zentimeter langen Schnabel, weit oben im Baum. Was für ein Prachtkerl!
wreathed hornbill
Leider herrscht am heutigen Samstag am Campingplatz noch mehr Andrang als gestern, und die schlimmsten Vollpfosten haben sich während unserer Abwesenheit ausgerechnet um unser Zelt herum gruppiert. Und zwar Hering an Hering, so dass ständig jemand über eine Zeltschnur stolpert oder über eine fremde Plane trampelt. Es wird die halbe Nacht gefeiert, und ab 5 Uhr morgens klappern wieder die ersten Blechtöpfe, so dass Dave und ich trotz Müdigkeit und angenehmer Temperaturen (15°C) kein Auge zutun.

Gefahrene Strecke: 10,8 km
Anstieg: 256 m
höchster Steigungsgrad: 23% (mit leeren Rädern geht das!)
Durchschnitt: 13,32 km/h
Nachtlager: Campingplatz im Khao Yai Nationalpark


Sonntag, 18. Januar
Vom Zeltplatz aus geht es 40 Kilometer lang bergab, was für ein Vergnügen in dieser großartigen Landschaft! Je mehr wir an Höhe verlieren, desto wärmer und feuchter wird es, so dass beim ersten Fotostopp gleich mal die Kamera beschlägt:



Nach dem Mittagessen machen wir eine kleine Wanderung an einem Hochufer entlang zu einem Wasserfall.
Dort unten ist die Stelle, an der die Elefanten früher durch den Fluss marschiert sind. Ihr gewohnter Weg wurde bei Hochwasser zur Falle: In den 1980er und 90er Jahren müssen sich hier dramatische Szenen abgespielt haben, wenn regelmäßig junge, unerfahrene Elefanten in den Tod gestürzt sind.

1992 wurden diese wuchtigen Betonpfosten installiert, um Elefanten davon abzuhalten, zu nahe an die gefährlichen Klippen zu gehen.
Haew Narok Wasserfall, der größte in diesem Schutzgebiet.
Sobald wir aus dem Nationalpark und damit aus dem Urwald herauskommen, schlägt uns eine dicke, schwül-heiße Luft entgegen. Und immer wieder riecht es nach Rauch, der Himmel ist milchig-trüb. Auf der Weiterfahrt sehen wir einige Felder, die in Flammen stehen. Der kräftige Wind treibt das Feuer in einem Tempo voran, das wir mindestens als besorgniserregend einstufen würden, aber die lokale Bevölkerung geht ungerührt ihrem Tagesgeschäft nach.
Gottseidank liegt das Fischercamp, das wir uns für heute Abend ausgesucht haben, auf der anderen Flussseite. Das Abendessen in dem unscheinbaren Restaurant hinter der Bäckerei ist eines der besten, die wir auf dieser Reise hatten, und die Mönche des nahen Klosters singen uns kurz nach Sonnenuntergang in den Schlaf.

Gefahrene Strecke: 95,18 km
Höchstgeschwindigkeit: 54,28 km/h
Durchschnitt: 19,44 km/h
Höchsttemperatur: 39°C
Nachtlager: Campingplatz kurz vor Ban Bang Khanak


Montag, 19. Januar
Auch unsere Reifen spüren den abrupten Übergang in eine andere Klimazone: Gestern Abend hatte ich schon das Gefühl, auf Sand zu fahren, und heute sieht Dave kurz nach dem Losfahren, dass alle vier Reifen mehr Druck brauchen.
Behelfsbrücke in einer Ortschaft, während die "richtige" Brücke saniert wird. Die Gegend rund um Bangkok ist von tausenden kleinen und größeren Flüssen und Kanälen durchzogen, ein unglaubliches Netzwerk zur Be- und Entwässerung. Es ist uns ein Rätsel, wie die Leute den Überblick behalten, und wie man hier Straßen so plant, dass jedes Grundstück einen Zugang hat. Ohne digitale Hilfsmittel müssten wir heute alle hundert Meter stehen bleiben und die Karte studieren oder fragen!

Sogar in Bangkok verläuft die geradeste und direkteste Strecke an einem Kanal entlang. Dieser betonierte Radlweg begeistert uns auf den ersten Kilometern wirklich, ...
... bis die Brücken über andere Kanäle immer häufiger werden...
... und schließlich ohne Vorwarnung als solche Treppen erscheinen, die uns zum Abmontieren der Taschen und Tragen zwingen. In diesen Momenten verwünschen wir unsere digitalen Hilfsmittel, denn der normale Hausverstand hätte halt einfach die Hauptstraße genommen!

Gefahrene Strecke: 76 km
Durchschnitt: 17,82 km/h
Höchsttemperatur: 39°C
Nachtlager: Hostel in Bangkok


Dienstag, 20. Januar
Seit Laos suchen wir in jedem größeren Ort nach Bremsklötzen für unsere Räder, heute ist es endlich so weit: Dieser Fahrradladen mitten in Bangkok war sich nicht zu schade, uns letzte Woche auf unsere E-Mail zu antworten, und dann auch noch mit dem gewünschten Ergebnis. Wie schwer kann das eigentlich sein?
Auf der Rückfahrt zum Hostel besuchen wir erst einen Nachtmarkt, den wir von unserem ersten Aufenthalt in der Hauptstadt schon kennen, und geraten dann erst ungewollt auf die Kraftfahrtstraße und anschließend in den Feierabendverkehr. Über anderthalb Stunden brauchen wir für die 8 Kilometer plus Umweg, die meiste Zeit stehen wir im Stau - und schwitzen trotzdem mehr als oft untertags. Faszinierend: Trotz der chaotischen Verkehrslage bleiben alle gelassen, es wird wirklich nur gehupt, um jemanden zu warnen.

Gefahrene Strecke: 22 km
Durchschnitt: Pfffft... 


Mittwoch, 21. Januar
Wir ziehen um in ein schöneres Hotel, das günstiger liegt und einen sicheren Parkplatz hat. Denn auch wenn wir uns in Thailand normalerweise keine Sorgen um unser Zeug machen: In einer Stadt mit über 11 Millionen Einwohnern fühlt es sich schon arg leichtsinnig an, unsere Räder über Nacht einfach an die Hauswand zu lehnen.
Gleich um die Ecke entdeckt Dave sein neues Lieblingsrestaurant, einen Eisladen. Aber nicht mit Sahne- oder Milcheis in verschiedenen Geschmacksrichtungen, weit gefehlt! Sondern mit lauter unterschiedlichen Früchten, Geleestückchen und in Sirup eingelegten Kleinigkeiten, großteils undefinierbaren Ursprungs, die entweder mit Kokosmilch oder verdünnter Melasse übergossen und einem Schöpflöffel voll zerstoßenem Eis serviert werden. 
Glücklich wie zwei kleine Kinder pantschen wir uns durch das, was wir per Fingerzeig bestellt haben, ohne zu wissen, worauf wir da immer rumkauen, und verabreden für morgen gleich noch ein weiteres Rendezvous hier.
An der Schiffsanlegestelle am Chao Phraya endet unser Spaziergang. Was aus der Entfernung aussieht wie ein Tempel mit riesiger goldener Pagode, ist seit 2021 das größte Parlamentsgebäude der Welt.

Gefahrene Strecke: 11 km
Durchschnitt: 13,63 km/h
Nachtlager: Hotel in Bangkok


Donnerstag, 22. Januar
Zum Geburtstag wünscht sich Dave ein Frühstück im Eisladen. Pfff! Wie alt ist der Kerl, zwölf?
Wieder studieren wir die Speisekarte, ...
... und wieder haben wir keine Ahnung, was das alles sein soll. 
Egal. Hauptsache, es macht glücklich!
Im Anschluss daran absolviert Dave ein paar Videotelefonate nach Hause - genug Zeit für mich, zum Frisör zu gehen. Dieser schrillbunte Salon ist mir gestern schon aufgefallen. Ich frage einfach mal, ...

... und keine halbe Stunde später ist die Mähne ab. Endlich!
Wir fahren mit der S-Bahn ins Stadtzentrum, einfach zum Strawanzen. Schon die Hinfahrt ist ein Highlight, denn die Trasse verläuft so hoch über den Straßen, dass sich einem eine grandiose Sicht auf Bangkok bietet. Allerdings hat uns ein freundlicher Herr in ein Gespräch verwickelt, so dass ich keine Gelegenheit zum Fotografieren bekomme.
Das Getümmel machen wir eine Zeit lang mit, dann verschlägt es uns in ein Straßencafé, von dem aus wir die vorbei pilgernden Menschenmassen beobachten. Jessas, schauen die alle fertig aus!

Unterwegs macht uns diese Tempelanlage neugierig.


Der Ausflug in die Millionenmetropole war cool, aber danach reicht's uns auch wieder. Auf dem Heimweg erhasche ich an einem S-Bahnhof zumindest noch ein schnelles Foto von dem Wahnsinnspanorama, das sich uns bietet.


Freitag, 23. Januar
Dave ersetzt unsere Bremsklötze, ich bearbeite Fotos und bastle an einer Route Richtung Süden.
Danach, ihr ahnt es schon: Rendezvous im Eisladen. Schließlich gibt es ein paar Varianten, die wir noch nicht probiert haben!

Neueste Erkenntnisse: Thailand kann also doch laut sein - nämlich vor den Wahlen, wenn jeder Kandidat mit Lautsprecherdurchsagen Eigenwerbung macht. Es gibt ein Gummiministerium. Nur Ausländer kaufen Häuser aus zweiter Hand, den Thailändern sind die Geister der Vorbesitzer so suspekt, dass viel Wohnraum leersteht. Wenn schon daheim alle die Nordlichter verpennen (bis auf Micha - danke für den Hinweis mitten in der Nacht!), dann schaue ich sie mir wenigstens im Internet an.
Newest insights: Thailand can be loud after all - before elections that is, when every candidate advertises themselves via loudspeaker announcements. There is a rubber authority. Only foreigners buy houses second hand, Thai people fear the ghosts of former owners so much that a lot of living space remains unused. Since everybody at home sleeps through the northern lights (except for one friend who posted them in the middle of the night), I enjoy them online.

Etappen

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